Bert Hellinger, Wilfried Nelles und ein Vermächtnis

Es werden Positionen bezogen. Unterschiedliche Menschen und Lebewesen,
Existenzen, beziehen Stellung , entfalten ein Geflecht von Miteinander, Gegeneinander, Frieden und Krieg.
Die Gegner werden geschmäht, verachtet, niedergemacht und gestellt.

Aber was ist wichtig?

Die Kinder der Schmäher auf beiden Seiten identifizieren sich mit den Opfern. Sie leiden wie die Opfer, leben ein Leben wie die Opfer, vollziehen
deren Existenz und Vernichtung nach. Klar, die anderen Kinder aus der gleichen Familie identifizieren sich mit den Tätern.
Sie mögen siegen, aber auch ihre Kinder tragen wieder das Stigma von Opfern und Tätern.

Die Lösung wird gefunden, anerkennen, erkennen und würdigen. Würde geben, beide Seiten sind Ausgelieferte, hängen an ihren Positionen und sind
gebunden über Generationen.

Aus dieser Bindung und Beschränkung entwickelt sich zunächst Leben.
Aber dann will dieses Leben mehr:
Anerkennen, Lieben, Würdigen -
Das Leben ist schön und lebenswert - Wert und Sinn schließen den Mitmenschen ein, die Gescheiterten wie die, die sich durchsetzen.

Kein Tod, kein Mühen soll vergebens sein. Die Erkenntnis, die eine
gerechte Zukunft auf dem Tod der ehemaligen Gegner und der eigenen
Gemeinschaft aufbauen will, ist einverleibt, strukturelles Element des
Menschlichen, vermutlich des Alls.

Wir stolpern über die Steine unserer Gegner und bauen uns ein Haus damit.
Dann haben wir es geschafft. Aber auch unsere zunächst mal Gegner sollen
ihr Haus bauen, denn unsere eigenen Kinder identifizieren sich mit der
Gegenpartei, würdigen deren Recht auf Liebe, Anerkennung und Würde.

Wir bauen zunächst unsere eigenen Häuser. Aber damit bauen wir auch
die Häuser unserer Widersacher. Sie sind immer mit da.

Und wir erkennen:

Was wir bauen, ist das Haus der Zukunft für alle Menschen, alle Kreatur,
jedliche Lebensform.

Wir möchten da sein und Dasein geben. Für uns, für den Nächsten, für alle
und alles.

Für die Existenz, die alle Formen umfaßt.

Fechten wir jetzt Kämpfe aus, werden sie solange wiederholt, bis Gerechtigkeit und Gleichheit für alle herrscht.

Wo dies in der Vergangenheit nicht geschah, wird dies der Zukunft als
Aufgabe weitergegeben.

Von der Gegenwart her läßt sich durch Anerkennen Vergangenheit und Zukunft miteinander anpassen und einbinden.

Die Zukunft wirkt in Form der Gegenwart, der gegenwärtigen Handlungen und Gedanken, auf die Vergangenheit zurück.

Die Vergangenheit wirkt in Form der Gegenwart, der gegenwärtigen Handlungen und Gedanken, auf die Zukunft ein.

Die Gegenwart formt Vergangenheit und Zukunft, richtet aus, fokussiert,
avisiert, duldet, akzeptiert, würdigt und liebt.

Die Gegenwart gibt Vergangenheit und Zukunft Gestalt.

Alles zu seiner Zeit, Freude und Leid,
gegenwärtig sein und bauen am Dom der Menschheit,
die eigenen Häuser bauen, die eigene Existenz sichern,
den Mitmenschen, das Mit-Tier, die Mit-Existenz sichern,
Würdigen, Wertschätzen, Anerkennen, Lieben -
Alle Kreatur, alles Sein - und wo wir es nicht können,
wo wir es jetzt nicht können,
Verzeihen oder wo wir es nicht, noch nicht können,
Hoffen auf Verzeihen.

Paul Salvator Goldengruen

01.08.2007

in Jetztzeit

Anmerkungen von Paul Salvator Goldengruen:

Wenn die ganzen Grundvoraussetzungen und Annahmen stimmen, die beim Familienstellen herausgefunden wurden und vermutlich nicht nur hier, dann heißt das:



In jedem Menschen, egal, welchen Part er übernimmt, ist das Bedürfnis da, auch den Gegenpart zu würdigen, anzuerkennen und zu lieben. Das ist im Menschen angelegt, vermutlich im Weltall.

Jeder hat die unterschiedlichen Positionen einverleibt und leidet, fiebert sozusagen bzw. fühlt auch mit seinen Gegnern mit, mit aller Kreatur.

Um selbst leben zu können, muß er Entscheidungen treffen und Handeln.

Wo dieses andere Menschen, Lebewesen, Seinsformen beeinträchtigt, ist der Wille da, das zu heilen

durch Würdigen, Anerkennen, Wertschätzen.

Vermutlich ist das die Liebe, die allen Menschen, aller Kreatur und allem Sein innewohnt.

Auch wo sie verschüttet ist, wo Verhärtungen bestehen, Schuld, Sühne, Unrecht und Hass

gedeihen, sich (noch) nicht verflüchtigt haben, steht immer die Liebe als ureigenster Antrieb des

Lebens und des Seins.

Die Liebe gedeiht und läßt uns gedeihen, auch wenn oder wo noch ihre Antipole bestehen.



Vielleicht sind die Pole immer da.



Trotzdem gibt es sicherlich eine Weiterentwicklung zu immer mehr Gerechtigkeit und Gutheit.

Wo dies noch nicht der Fall ist, hilft Barmherzigkeit und Gnade,oft die Gnade des Verzeihens.



Das Anerkennen bleibt uns als Aufgabe, bereinigt und heilt, läßt leben und gibt Raum und Weite

für ein würdiges Weiterbestehen jenseits aller Schuld,

jenseits allem Ausgeliefertsein oder (noch Gebundensein) an Bedingungen, die wir selbst nicht geschaffen

haben, an denen wir aber mitgestalten können.

Durch das Wirken unseres präsenten Willens in die Vergangenheit und die Zukunft hinein.
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