Todesstimmung

Alle Hoffnung, alles Streben, alles Glück,
hier zerstört, umfaßt von Augen Blick,
es ist die Tiefe eines endlos Bodens,
tut auf sich dem, der einst so hoch erhobens.

Kein Ausweg scheint,
kein kleinster Strahl durchdringt,
kein Mitleid weint,
daß es dich niederringt.

Erloschen scheint die Kerze,
dein liebes Lebenslicht,
am Untergeh'n vor Schmerze,
kaum hellend dir's Gesicht.

Riese der Finsternis,
wächst stark in uns empor,
der Macht's und hörig Hand's
den Tod dir auserkor.

Sind's arge Wunden, die dir auch widerfuhr'n,
so seh', du bist mit keinem Rechte auserlesen,
der Zufall schlägt gar Augen aus, taubt Ohren,
das Schicksal kennt nicht Seelen-Exegesen.

Vergleiche nicht, denn aller Menschen Streben,
so groß und schön und stark sie dieser Zeit,
ist Ausgleich für ihr unzulänglich Schweben,
durchweg durchsetzt mit Unvollkommenheit.

Und einen Gott, den gibt's an ihn zu glauben
und nicht dafür, dich auf ihn zu verlassen,
und wenn dir bleibt vom Leben nur ein Krümel,
so solltest du ihn unverzagt erfassen.

Erschrick die Trauer und fasse neuen Mut,
der Tod wirft Schauer, greift dir zum höchsten Gut,
fang an, dich klein im Großen zu begreifen,
bist nicht gebor'n, um Tag und Nacht zu pfeifen.

Nur deine eig'ne Kraft,
allein dein Lebenwollen,
ist was die Tiefe schafft,
weck auf sie, sei's mit Grollen.

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