Komposition

Ergib dich, müder Mensch,
nun ist es Zeit zu schlafen,
denk nicht mehr nach, mein Geist,
geb' auch der Seele Ruh',
ergib dich, müder Mensch,
dem sanft löschenden Hafen,
das Taglicht nicht mehr gleißt,
schließ deine Schotten zu.

Was heute war, nun mußt du es verbannen,
zu schöpfen neue Kraft,
das Gute und Böse laß zieh'n von dannen,
das Morgen weiter schafft.
Es kommt ganz von allein,
ohn' langer Sorgen Kürzen,
bald wird der Sonne erster Schein
treugüld'ner Neu dir's Aufstehn würzen.

Erstehen neu, Aufstehen neu,
noch bleit der Tag wie Todesmacht,
anfangs wie ängstlich Rehlein scheu,
legst du dir langsam an die Tracht.
Doch jähvoll klingt's schon kräftig an,
der Sonne Strahlen frei'n den Mut,
streu'n Pauken- und Trompetenklang,
die in Dir sind, verborg'ne Flut!

Nun folgt die Spanne klaren Schaffens,
es ist der liebe neue Tag,
wohlhochgebor'n und offnen Rachens,
er von der Nacht umschlungen lag.
Nun ist er wieder frei, gegeben zum Verbreiten,
und schau, ist's nicht bei allen Übeln Pracht?
Und dieser Tag, mit Flammen, Fröhlichkeiten,
strebt wieder zu der tiefsten vollsten Nacht -

und in ihr wacht:

der neue Tag

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