Hinweise

Einleitung

Was macht einen Menschen zum Poeten? Wie wählt er sich sein Ausdrucksmedium? Ist es mehr Leid und Leidensdruck bzw. sind es die großen Gefühle, die einen Menschen treiben, sich auszudrücken, sich kundzutun? Das Innerste zu entblößen, sein Innerstes offenzulegen?

Ein Mensch im mittleren Lebensalter bin ich. Nicht mehr jung, noch nicht alt.

So etwa um die Zeit meiner Einschulung herum, mit etwa 6 Jahren, habe ich mich gefragt, ob Menschen glücklich sind. Jetzt, wo ich meine Gedichte wieder einmal durchgegangen bin, fällt mir dieses ein.
Zu welchen Schlußfolgerungen ich damals gekommen bin, weiß ich nicht mehr.
Sind Menschen glücklich, sind sie zufrieden mit sich selbst oder überhaupt? Das war eine frühe Frage von mir.

Intensive Gefühle

Sehr viel später fiel mir auf, daß ich nach dem Sport immer so ziemlich der letzte war, der sich angezogen hatte. Ich verließ die Umkleidekabine immer so ziemlich als letzter. Zum Beispiel nach dem Fußballspielen. Irgendwann fiel mir auch auf, daß ich in diesem Moment so etwas wie eine Leere empfand.
Nachmittags nach der Schule war ich immer einer der ersten auf dem heimischen Bolzplatz. Zuerst wurde auf eine Bude Fußball gespielt. Mit einigen Leuten. Kamen weitere Leute dazu wurde auf zwei Buden gespielt. Gegen Abend spielten die restlichen Jungen wieder auf eine Bude. Meist ging ich erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause. Fußball und die intensiven Gefühle dabei waren wohl sozusagen mein Leben.
Als ich längst erwachsen war und schon einige Jahre malte, traf ich wieder auf diese Leere. Das Gefühl war diesesmal sogar stärker. Ich brachte meine selbstgemalten Bilder zum Photographen. Als ich dazu die Bilder von den Wänden in meinem Zimmer nahm, stand ich plötzlich vor vier leeren weißen Wänden. Ich fühlte mich einsam und verlassen, nahezu verloren. Ich fühlte mich leer, fast so, als hätte mir jemand meine Persönlichkeit genommen.
Wie der Fußball gaben mir die bunten Bilder intensive Gefühle, füllten mich aus, gaben mir Identität bzw. ein intensives Erleben meiner Person.

Merkmale eines Poeten

Ein Gefühl von Verlorenheit empfinde ich auch ganz stark, wenn ich aus einem Bahnhof heraustrete und sehe praktisch nur Hochhäuser. Als jemand, der vom Dorf stammt, empfinde ich dann Anonymität und Beklemmung.
Ganz anders ist es, wenn ich die Silhouette eines Dorfes wahrnehme. Mit Kirchturm, gemütlichen Häusern, mit Bäumen und Grün. Ich fühle mich wie Zuhause. Auch dann, wenn ich natürlich gewachsene Dörfer aus anderen Kulturkreisen sehe, zum Beispiel Dörfer mit Rundhütten in Afrika. Holländische Häuser finde ich sehr gemütlich, sie sind häufig klein, aber sehr individuell gestaltet. Aber auch asiatische Paläste finde ich ganz toll, die Gaudi-Kirche in Barcelona oder den Kölner Dom. Auch Indianerzelte faszinieren mich. Alles, was natürlich gewachsen ist, finde ich wohltuend.

Einmal las ich ein Gedicht von Schiller. An einer bestimmten Stelle empfand ich so etwas wie "Ewigkeitscharakter". Ich wollte diese Stelle mit einem Kreis am Rand Markieren. Zu meiner großen Überraschung tauchte die Silhouette einer Figur von den Osterinseln auf. Ohne den Bleistift abzusetzen und ohne es bewußt zu wollen, entstand diese Figur.
Das ist wohl das Typische für mich. Es wird durch einen inneren oder äußeren Reiz etwas in meinem Inneren aktiviert. Habe ich dann ein Ausdrucksmittel zur Hand oder zur Verfügung entsteht etwas, was als abgeschlossene Ganzheit schon in meinem Inneren existiert.
Oder ich beginne einen Satz, weiß noch garnicht so genau, was ich sagen will, aber was ich sage, ist stimmig und überrascht mich manchmal selbst.
Das könnte ein Merkmal eines Poeten sein. Lösungen für Probleme bzw. feste Strukturen wie Figuren liegen bereits als Ganzheit im Inneren vor. Der Poet scheint mir in der Lage zu sein, solche "Ganzheiten" aus dem Inneren abzurufen, wenn er sich ganz der Intuition überläßt.
Sehr spannend ist für mich die Frage, inwieweit das Bewußtsein die Intuition unterstützen bzw verbessern und abrunden kann. So fiel mir einmal auf, das eine schöne grüne Landschaft vermutlich wohl deshalb so ästethisch auf mich wirkte, weil viele unterschiedliche Grünfarbtöne auftauchten, die sich oft nur leicht unterschieden. Sofort formte mein Geist eine Regel daraus. Die Intuition hat dann eine Regel, die dem Unterbewußten schon lange bekannt sein mag. Trotzdem wird durch das Bewußtwerden diese Regel auf Bildern von mir des öfteren angewandt und erzielt gute ästhetische Ergebnisse.
Allerdings wird durch das Anwenden solch einer Regel etwas anderes zurückgedrängt. Habe ich also das bewußte Ziel, die Ästhetik zu steigern, instruiere ich meine Intuition, mir in dieser Richtung weiterzuhelfen. Will ich trotzdem aber zugleich auch ausdrucksstark arbeiten, ist das auch ein bewußtes Ziel, so berücksichtigt die Intuition beide Aspekte und man kann gespannt sein, welche Ergebnisse diese Kombination von hoher Ästhetik und hoher Ausdrucksstärke zeitigt. Es ist sicherlich aber auch klug, manchmal einfach der momentanen Stimmung intuitiv nachzugehen ohne auf ein bestimmtes Ergebnis zu hoffen.

Fasse ich mal kurz zusammen:

Einerseits möchte ich der Intuition breiten Raum lassen, manchmal sie ganz allein ohne bewußte Vorgabe arbeiten lassen.

Andererseits möchte ich der menschlichen Fähigkeit zu Bewußtheit Rechnung tragen.

Vermutlich gibt es sogar die besten Ergebnisse, wenn Bewußtheit und Intuition gepaart werden können. Zumindest gibt es so sicherlich Antworten für Probleme, die völlig neu sind, denen die Menschheit noch nicht ausgesetzt war.
Denn die Regeln, die in der Kunst gelten, gelten auch bei (technischen) Erfindungen und im täglichen Leben. Durch "Fehler" in der Kunst kommt aber keiner zu Schaden, jedenfals nicht unmittelbar. Die Steigerung der Kreativität durch die Kunst läßt uns das Leben besser bewältigen.
So schließt sich der Kreis wieder. Schon als Kind habe ich mich gefragt, ob Menschen glücklich sind. Jetzt als Erwachsener möchte ich dazu beitragen, herauszufinden, wie Menschen gedeihen können, wie sie ihrem Leben einen Inhalt, einen Sinn geben können.
Aber auch möchte ich helfen und einen Beitrag dazu leisten, die neuen und gigantischen Aufgaben der Gegenwart und Zukunft zu bewältigen. Auch die vordergründigen und einfachen Aufgaben.
Bis jetzt ist es der Menschheit als Gesamtheit nicht so richtig gelungen, sich geistig-moralisch weiterzuentwickeln. Trotzdem gibt es in den unterschiedlichsten Kulturen und bei den unterschiedlichsten Gruppierungen und Persönlichkeiten Ansätze und Lösungen, die vital sind und weit in die Zukunft reichen, uns unseren Weg bahnen können.
In Zukunft sollen ja auch Kriege und möglichst Katastrophen verhindert werden können. Kriege sind letztlich immer der blanke Wahnsinn.

Zurücknahme der Projektionen

Ein ganz konkreter Beitrag von mir ist dabei die Zurücknahme der Projektionen. Es sind nicht die anderen, die Fremden die Teufel. Ich selber bin mit meinen negativen Eigenschaften der Teufel. Es sind nicht die anderen die Stars oder die Götter. Wie jeder andere trage auch ich einen göttlichen Funken in mir. Es ist nicht nur der Papst, der demütig ist, den ich dafür bewundere, wie sehr er sich zurücknehmen kann. Es würde mir verdammt noch mal sehr gut zu Gesicht stehen, mal ein bischen bescheidener und demütiger zu sein. Ich packe das einfach nicht.
Ich bin in meinem bisherigen Leben einfach zu sehr in Frage gestellt worden, um demütig sein zu können.

(Anmerkung: Das war der Stand vor vier Jahren: Heute, Früjahr 2009, bin ich einfach froh, daß ich lebe und es mir ganz gut geht. Mein jüngerer Bruder ist vor drei Jahren an einem Gehirntumor gestorben. Allein das hat sehr viel an meiner Weltsicht und an meinem Lebensgefühl geändert. Das Thema Demut wurde auch besonders in einem Bild behandelt:
Gleichgewicht zwischen Unterdrückung, Demut und Wehrfähigkeit

Totzdem belasse ich es hier bei dieser Anmerkung in Klammern und ändere nichts am Text)

Aber ich stehe auch auf den Schultern von Menschen, die mich getragen haben, die mir geholfen haben, die für mich da waren. Ich will wenigstens ab und zu daran denken.
Es sind nicht nur die anderen, die fröhlich sind. Bei aller Schuld, die ich auf mich geladen habe, bei aller Unzulänglichkeit habe ich ein Recht darauf fröhlich sein zu können. Es sind nicht die großen Mystiker, die allein mystisch sind. Auch ich bin Mystiker, ich trage etwas Geheimnisvolles in mir. Und ich bin bereit, etwas von diesem Geheimnis preiszugeben. Und wenn ich traurig bin und weine, dann ist es gut so.

Es tut mir weh, Bilder zu malen, die mir selbst nicht gefallen. Manchmal mache ich das. Und es macht mich fertig. Aber genau das ist dann der Antrieb dazu, es beim nächsten mal besser zu machen.
Wichtig ist auch zu erwähnen, daß sich die Wahrnemung ändern kann. Bilder, die mir einmal sehr weh getan haben, kann ich irgendwann besser ansehen. Dann glaube ich, daß ich mich zumindest in einem Teilaspekt meiner Persönlichkeit weiterentwickelt habe.
Ein Fest ist es natürlich, wenn mir ein Bild von Anfang an gut gelingt.
Ich halte es für wichtig, die eigene Wahrnehmung relativieren zu können. Wenn ich etwas in aller Ruhe anschauen kann. Ein Bild, einen Politiker aus einem gegnerischen Land, einen Menschen mit anderer Kultur und anderem Glauben, genau dann werde ich in aller Ruhe überlegen können, wie ich diesem Gegenüber begegnen kann.
Dann bin ich souverän, vertrete ruhig meinen Standpunkt und meine Festigkeit gibt auch meinem Gegenüber Statur. Das fällt mir immer noch zum Teil sehr schwer. Aber ich arbeite dran - und ich versuche aus der Ruhe und Muße heraus meinen eigenen Schwächen und Stärken nachzuspüren.

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Paul Salvator Goldengrün

Übrigens: Weitere Hinweise über mich als Poeten und meine Ausdrucksmittel sollen über die nächsten Wochen, Monate und Jahre erfolgen.