Der Künstler in mir findet auch immer gleich den Poeten an seiner Seite, die Intuition, die Gnade. Der Schrei nach Leben, Licht, Gelingen und Schönheit wird oft durchgesetzt von tief empfundenem Leid. Unglück und empfundene Unzulänglichkeit sind dann meist immer noch gepaart mit Hoffnung und dem Streben nach Erlösung. Freude und Fröhlichkeit bilden einen Gegenpol zur Trauer. Oft ist es die Farbe, die negative Empfindungen erträglich macht, kontert. Eine Malerei, die aus dem Unbewussten entstand, scheinbar unbedarft beginnt, lässt mich erkennen: Entwicklung ist ein ganz großes Thema meiner Kunst. Ganz bewusst bleibe ich in vielen Aspekten meiner Herangehensweise unverbildet. Um so vielschichtiger bleiben die Interpretations-möglichkeiten. Der Wunsch nach Ästhetik und Vollkommenheit lässt mich immer mehr die Frage stellen, wie sich Unterbewusstsein und Bewusstsein verbinden, sich gemeinsam entwickeln können. Rückgriffe auf Vergangenes (Regression) und Antizipieren von Zukünftigem (Progression) begegnen sich in der zeitlosen Gegenwart des Bildes - in der Ewigkeit. Jeder Augenblick (Moment) in unserem Leben ist ein Stück Ewigkeit. In der Ewigkeit ist nichts verloren, alles ist aufgehoben und hat seinen Platz. In dem Moment wo ich bin, bin ich ein Stück Ewigkeit. Wir alle bilden die (sind) Ewigkeit. Gib der Ewigkeit Dein Gesicht (ein Gesicht), ob es gerade lacht oder traurig ist. Ob es sieht, hört, schmeckt, riecht, tastet, sich selbst wahrnimmt oder sonstwie empfindet, die Gegenwart transzendiert. Die Eigenart des Künstlers Paul Salvator Goldengruen und seine gesellschafliche Aufgabe mit einem impliziten Manifest Hier sollen die Merkmale von Paul Salvator Goldengruens Kunst herausgearbeitet werden. 1.Was ist typisch für ihn und seine Kunst, was ist einzigartig und wo gibt es Parallelen zu anderen Künstlern oder Positionen. 2.Was ist seine gesellschaftliche Aufgabe Das Typische in Stichworten und kurzen Sätzen: *Die Symbolik, die nicht altbekannte Symbole bewußt einsetzt, sondern ganz neue und neukombinierte Symbole aus dem Unterbewußtsein hervorbringt. Symbole, die es erst auszudeuten gilt. Manche sind dem Künstler selbst zugänglich, andere Symbole ihm selbst zunächst einmal nicht verständlich. Hochtalentierte Symboldeuter haben zum Teil einen direkten und intuitiven Zugang zu den Symbolen, knacken zum Teil die Symbolik und empfinden diese als Rätsel bzw. Rätselaufgabe, die es zu entschlüsseln gilt. Immer bleibt ein der Ratio nicht erklärbarer Rest als unergründliches Mysterium übrig. *Die Verdichtung, von Formen und Farben, eng mit der Symbolik zusammenhängend. Die Bilder sind oft hochgradig verdichtet und nicht selten kryptisch in der Überlagerung der symbolträchtigen Inhalte. *Selbst bei einfach(er) strukturierten Bildern ist häufig eine große Suggestivkraft da, dann ist es die Schlichtheit und Reduktion der Farben und Formen, die die Symbolkraft untermauert und auf eine intensive Zentrierung spitzt. Das Symbolträchtige als Charaktermerkmal bleibt erhalten, ob komplizierte oder einfache, übersichtliche oder unübersichtliche Arrangements dargestellt werden. *Die große Farbgewalt und Mannigfaltigkeit der Farben, die häufig (sehr) fröhlich sind, selbst dort, wo tiefe und schwere Inhalten transportiert werden. Trotzdem kann die Farbwahl aber auch alles andere als fröhlich sein. *Die große Vielgestaltigkeit der Formen. Über die Farbwahl und die Art und Weise, wie Farben und Formen zu Struktur verbunden werden, entsteht ein großer Wiedererkennungseffekt für das Typische der Bilder, obwohl der Wiedererkennungswert bezüglich naturalistischer Bezüge häufig nicht oder kaum da ist. Wo Bilder wegen der Formen- und Farbenfülle sehr weit auseinanderliegen, gibt es immer herstellbare Übergänge durch gestalterisch dazwischenliegende Werke. Ähnlich den anzutreffenden Übergangängen von Arten der gleichen Gattung in der Natur, den sogenannten Übergangsreihen. *Die Selbstreflexion des Künstlers, die im Anschluß an das Erstellen der Bilder ganz bewußt erfolgt, manchmal sich auch schon beim Erstellen der Bilder einstellt. Diese Selbstreflektivität zeigt sich dann in der Wahl der Bildtitel und in (theoretischen) Gedanken, die der Künstler sich zu den Bildern macht. Auch zum Gesamtwerk, welches er ab und zu reflektiert. Durchaus mit Folgen für seine weitere Tätigkeit. *Das große Interesse daran und das Bemühen darum, wie Unterbewußtsein und Bewußtsein, Intuition, Unmittelbarkeit und Spantanität einerseits, bewußte Planung und Ausrichtung auf bestimmte Gestaltungsziele andererseits zusammenwirken und sich bedingen. Ein soches erklärtes Gestaltungsziel ist die Erhöhung der Ästhetik bzw. das Anstreben von Ästhetik, ohne allerdings auf die Unmittelbarkeit und Spontanität zu verzichten. Das wird zum Beispiel dadurch erreicht, daß Bilder in ihrer Grundstruktur innerhalb von Minuten angelegt werden (mit einem hellfarbigen Buntstift, der gut mit den Farben überdeckt werden kann). Die Ausarbeitung dieser Bilder nimmt dann oft Tage oder noch längere Zeit in Anspruch. Die Kohärenz bleibt über den Zeitraum der Erstellung des Bildes erhalten, obwohl es durch die Farbwahl zu neuen Aspekten in der Stimmung kommen kann, die durchaus positiv gesehen werden können. *Die Philosophie des Künstlers, die seinem künstlerisch-bildnerischem Arbeiten zugrundeliegt. Sie ist auch auf das Erschließen der Vergangenheit und der Zukunft in der Gegenwart des Bildes ausgerichtet. Wobei Einsicht in die Vergangenheit die Zukunft bahnen kann. Da Vergangenheit zu erleben aber auch ein aktiver geistig-emotionaler Vorgang ist, wirkt die Tätigkeit in der Gegenwart und die Antizipation der Zukunft auf die Erlebbarkeit der Vergangenheit zurück. Gespitzt und getragen nicht zuletzt durch die Symbolik, die gerade deshalb, weil sie häufig und in großen Anteilen nicht-naturalistisch ist, unbedarft und ungelernt und vom Ursprung her unreflektiert erscheint und entsteht, vielschichtig und vieldeutig sein kann. Auch sind so durchaus eindeutige bzw. stringente neue Lösungen und Sichtweisen für Probleme und emotional-reflektorische Sachverhalte möglich. Gebahnt durch diese Arbeit auf der symbolischen Ebene, die in die Seele schaut, hier ihre Bilder, Erzeugnisse und Lösungen findet, weniger im Angelernten und konditionierten Tagesgeschehen und künstlerischen Drill, der durch die Gesellschaft in Ausbildungsgängen erzeugt wird. Das macht die Stärke der Darstellung und der Bildgebung aus, denn in der Seele ist mehr angelegt, als nur das, was in einer Gesellschaft zur Zeit oder in der Vergangenheit wichtig ist und war. Letztendlich wird der Ursprung der Kunst in der Seele angelegt und gefunden, die auch kollektiv sein kann und weit ist wie alle Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. "Ursprungskunst", "Art of the Origin" ließe sich diese Kunst beschreiben. Und macht diese Zeilen zu einem Manifest. Die gesellschaftliche Aufgabe: *Zu zeigen, daß das Leben schön ist, und daß es sich lohnt, zu leben. Klar, wo die Bilder schön sind und ästhetisch wohlgelungen, da freut man sich am meisten. Aber auch Bilder, die ästhetisch weniger schön sind, wenn auch möglicherweise besonders ausdrucksstark, haben ihr Recht. Es kann alles zugelassen und angeschaut werden, auch das ist eine große Erleichterung. *Den eigenen Schatten und damit auch Teile des Schattens des Kollektivs zu zeigen. Bedenke: Der Schatten kann auch das Schöne sein, das hinausdrängt, leben will - und zu Destruction führen kann, wenn es keine Möglichkeit gibt, dieses Schöne zu zeigen, in Kunst und damit auch im alltäglichen Leben, zu dem die Kunst eine Brücke baut und umgekehrt. *Verbindung von Kunst und alltäglichem Leben. Für das innerpsychische Bearbeiten oder Herangehen an Persönlichkeitsbereiche des Bewußten und Unbewußten spielt es keine Rolle, ob dies im Alltag oder im Bild geschieht. Das Gehirn macht keinen Unterschied. Im Bild können durch "Probehandeln" Energien und Ressourcen freigelegt werden, die im Alltag genutzt werden können. Es können dazu Handlungen im Malprozess des Künstlers und Rezeptionsprozess des Betrachters ausgelebt werden, die im tatsächlichen Leben nicht akzeptabel sind. *Die Verbindung zwischen Kinderkunst und Erwachsenenkunst herzustellen, damit zwischen kindlichem und erwachsenen Bewußtsein. Da klafft eine große Lücke, die der Künstler durch seine Herangehensweise zu schlißen hilft. Er möchte hier Bindeglied sein. *Alltagsbewußtsein und "mediales Bewußtsein" näher aneinander heranzuführen. Siehe dazu den Punkt zuvor. Auch hier geht es darum, eine Lücke zu schließen. *Eine Verbindung und eine Brücke zwischen kollektivem und Einzelbewußtsein herzustellen. *Eine Verbindung zwischen der Anderswelt und der Alltagswelt herzustellen. *Die Phantasiefähigkeit des Individuums und der Gesellschaft zu erhöhen. *Ganz neue Lösungsmöglichkeiten für die Probleme von Individuum und Gesellschaft zu finden und herauszuarbeiten. *Das Unbewußte als riesiegen Kosmos von Informationen zu erschließen. *Die Selbsterkenntnis von Individuum und Kollektiv zu steigern. *Erschließung von Vergangenheit und Bahnung von Zukunft, die sich in der Gegenwart des Bildes und des Austausches treffen, fokussieren. Einige Ausstellungen und Anmerkungen: Teilnahme als Gast an der Jahresausstellung 2008 im Museum für Art Brut und Outsider Art, Kunsthaus Kannen. Dauer der Ausstellung: 26. Oktober 2008 bis 11. Januar 2009. 114. Ausstellung im Rahmen der Hardehausener Galerie Künstler: Paul Salvator Goldengrün Titel: Trans–Zen–Dance --- Psychische Landschaften Vernissage: 30. 3. 10.30 Uhr 2008 Zeitraum: 30. 3. – 11. 5. 2008 Zur Ausstellung in Hardehausen, deren Vernissage am 30.03. war: Zeitungsartikel vom 31.03. 2008 von der Vernissage, Neue Westfälische Zeitungsartikel vom 02.04. 2008, Westfalenblatt Es wurden von mir 50 Bilder für die Ausstellung vorbereitet, 40 Acrylbilder in 70x100 oder 100x70 cm und 10 Pastellbilder, meist 50x70 oder 70x50cm, zwei davon noch etwas kleiner. 33 Acrylbilder und 7 Pastellbilder konnte ich an Wänden und 10 Stellwänden unterbringen. Die restlichen 10 Bilder lagen auf einem Tisch aus und waren somit auch einsehbar. Geplant ist, die Bilder und die Ausstellung als Gesamtes zusammenzuhalten und auch an anderen Orten auszustellen, falls sich die Gelegenheit ergibt. Die Pastelle datieren von 1997 bis 1999, die Acrylbilder von 2001 bis 2007. Die ausgestellten Pastellbilder sind eine Referenz an die LVH Hardehausen, wo sie zumeist in Kursen bei dem Kölner Künstler Dieter Laue entstanden. Teilweise dienten Landschaften und das eigene Spiegelbild als Motiv. Typisch ist aber, daß ich aus dem Inneren heraus male und ohne Sujet arbeite. Diese Malerei ganz aus dem Inneren heraus entwickelte sich wie von selbst Mitte der 90ziger Jahre, als ich eine psychische Erkrankung mit Hilfe der Kunst überwand. Diese Malweise habe ich seitdem auch ganz regelmäßig ausgeübt und weiterentwickelt. Die in Hardehausen ausgestellten Pastelle sind somit keine Vorstufe der späteren Acrylbilder, weil Ihnen ein Sujet zugrundeliegt. Es ist eher so, daß die bereits ab Mitte der 90ziger Jahre ausgeübte Malerei aus dem Inneren heraus, welche ohne Sujet auskommt, die Pastelle (denen in der Regel ein Sujet zugrundeliegt) beeinflußt hat. Das Sujet wurde daher oft zugunsten einer eher symbolisierenden Darstellung ausgestaltet. Malkurse besuche ich seit 1997 in Hardehausen. Die symbolisierende und ausdrucksstarke Malweise, die da bereits etabliert war, wurde zunehmend verfeinert in Bezug auf die Ausgestaltung der Oberfläche, worauf ich zuvor nicht so viel Wert legte. Dabei haben mir die Ratschläge und die sehr hohe Kompetenz von Dieter Laue und der Albersloher Künstlerin Dagmar Bogattke sehr geholfen. Beide arbeiten zwar anders wie ich, haben mir jedoch mit Ihrer großen Sensibilität für Farben und Formen eine zunehmende Verfeinerung meiner Technik erleichtert, manchmal durch ganz subtile Hinweise und Anmerkungen, die ich teils sofort, teils erst später verwirklichte und verwirkliche. In der Festrede von Dieter Laue sah dieser meine künstlerische Tätigkeit als sehr subjektiv geprägt an. Siehe die Rede ganz unten auf dieser Seite: Für mich persönlich ist jedes Kunstwerk eine Schnittstelle zwischen der Seele des Künstlers und der Seele des Kollektivs und der Welt. Gerade wenn "symbolisch gearbeitet wird", wird verallgemeinert und auch viel nicht-subjektives Material zutage gefördert. Ist die Innovativität bei der Bildung von neuen Symbolen groß, mag der Interpret durchaus zunächst einmal zu dem Schluß kommen, diese Kunst sei subjektiv und nicht zu verallgemeinern. Die Antwort mag die Zukunft geben, wenn Arbeiten von Künstlern vergleichend und aus historischen Bezügen heraus betrachtet werden. Thematisieren läßt sich auch der Zusammenhang von Wort und Bild, von Poesie und Malerei. Die Malerei beruht wohl in erster Linie auf inneren Bildern. Da auch Tiere träumen und somit innere Bilder haben, geht sie vermutlich der Bildung von Worten voraus. Der Geist, der hinter allem steckt, scheint mir primär und sowohl Bilder und Worte hervorzubringen, die sich manchmal wundersam entsprechen können. Ein frühes Gedicht und ein späteres Bild oder umgekehrt können sich aufgrund des zugrundeliegenden Geistes entsprechen, wobei ein gemaltes inneres Bild, phylogenetisch älter und mit dem Stammhirn stark vernetzt, vermutlich immer mehr Deutungsmöglichkeiten enthalten wird als das gesprochene Wort oder ein durch Worte hervorgebrachtes Bild. Festrede von Dieter Laue, Künstler und Dozent, zur Ausstellungseröffnung 30.März 2008: Trans-Zen-Dance Psychische Landschaften, Kunst lebt von den Fehlern dieser Welt. Dem Menschen, der sich in der Welt nicht sicher fühlt, stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um den zu erwartenden Wechselfällen seines Lebens zu begegnen: eine horizontale und eine vertikale. Auf der horizontalen Ebene begegnet man den Problemen, indem man Vorräte schafft, sich an einen Menschen bindet, eine Kanalisation anlegt usw, der Mensch befindet sich auf der flachen Erde und greift praktisch gestaltend in seine Verhältnisse ein, wir befinden uns auf dem Feld der Zivilisation. Auf der vertikalen Ebene begegnet er den Umständen, in dem er sie in neuen Zusammenhängen zu sehen beginnt. Er wird seine Zeit anders verteilen um Freiräume einzurichten, in denen er vielleicht ein Tage-buch führt, er wird sich der Meditation oder dem Gebet zuwenden oder eben Kunst machen. Wir befinden uns im Reich der Kultur. Auf der vertikalen Ebene verändern wir also weniger die Dinge selbst als unsere Einstellung zu ihnen, wir verändern uns. Im Titel der Ausstellung von Paul Salvator Goldengrün, klingt dies schon an. Das Hinweg und Hinüber von der materiellen Gebundenheit in der Silbe „Trans“ , die aus dem Asiatischen stammende Philosophie der Abwendung von den Täuschungen der Welt durch Konzentration und Kontemplation in der Silbe „Zen“ aber auch das Heitere der Kunst, ihre Gelöstheit, der Reigen des Narren, des Eichendorffschen Taugenichts im englischen Wort „Dance“, der Tanz, „Trans-Zen-Dance“. Ein Wortspiel, das aus der Eigenbedeutung seiner Silben ein Potpourri entstehen läßt, auch progammatisch deutbar wäre und manches über seinen Verfasser verrät. Hier muß daran erinnert werden, dass die Kunst in ihren Anfängen durchaus nicht vom Kultischen, vom Transzendenten getrennt war, sie diente sowohl magisch-religiösen als auch weltlichen Bedürfnissen, und der Bison in einer Höhlenmalerei war Wunsch, Verehrung und Beschwörung in einem. Auf dem Hintergrund dieses Erbes bleibt der Künstler vor allem der nicht-spezialisierte Mensch, waren doch im Ursprung das Priesteramt und das Amt des Künstlers, des Jägers und Kriegers noch unaufgeteilt. Nach Goethe ist nun derjenige Mensch ein Genie, der in allen Errungenschaften des Erwachsenseins sich das Kindsein erhalten hat, also ein weiteres Amt, das dem Künstler zufiele. Psychische Landschaften heißt es im Untertitel. Dies meint vor allem, dass hier kein Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhoben wird. Es sind die Hervorbringungen eines Einzelnen und dort finden wir nicht Objektivität, sondern das Subjekt, das sich weg von der horizontalen Welt und seiner materiellen Gebundenheit in die Verbun-denheit der Vertikale entwickeln möchte, denn Gebundenheit ist materiell während Verbundenheit etwas Geistiges ist. Ein herausragendes Merkmal der hier ausgestellten Arbeiten ist, dass man rasch in solch ein Credo gerät, denn sie sind in hohem Maße sprachlich, diskursiv, sie fordern zur geistigen Auseinandersetzung heraus. Wenn wir uns allein dem Klang der Farbe und dem Schwung der Linienführung hingeben möchten, dann stellen uns die Bilder Rätsel auf, um deren Lösung wir nicht herumkommen. Farbe, Rhythmus und Sinn bilden hier eine solch untrennbare Einheit, dass wir das eine nicht ohne das andere haben können. Aus den Bildern spricht es. Überall gibt es etwas wie Botschaft, jedoch in Zeichen, die sich nicht ohne weiteres erschließen. Wir sehen uns wie an einer fremden Küste gelandet, Wesen mit schönen Körpern und grazilen Bewegungen begrüßen uns, wir befinden uns in einem Klima der Sympathie, aber wir werden unbefriedigt bleiben. Denn solange wir nicht wissen, was sie uns zu sagen haben, ist die Begegnung unvollkommen. Wir sind aufgerufen, diese Rätsel zu lösen. Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung treten die wenigsten Missverständnisse in Dialogen auf, die von den Beteiligten in einer Sprache geführt werden, die nicht ihre Muttersprache ist. Denn wenn ich mir meiner nicht sicher bin, werde ich nicht nur der fremden Sprache lauschen, sondern werde sie mit Mimik und Körper-sprache abgleichen, Unverstandenes durch Intuition zu erfassen ver- suchen und danach trachten, mit Gefühl und Phantasie ein sinnvolles Ganzes daraus zu formen. Auch der Künstler bedient sich einer Sprache, in der er nicht heimisch ist und die er beim und durch das Sprechen gleichsam erst entwickelt. Darin ähnelt er wieder dem Kinde und wie bei dessen Erzählungen sind auch seine Äußerungen mal ein Tasten und ein Ahnen, dann wieder sprudelt es unmäßig heraus und wir lauschen, teils befremdet, teils sehnsüchtig berührt. Das Kind kennt vor allem keine Distanz. Sein liebster Begriff ist Du, Menschen, Tiere, Pflanzen sind Du und wenn es von einem Weg durch einen Garten erzählt, dann geht es dabei im Geiste diesen Weg; die Worte Schritt für Schritt mehr suchend als sprechend. Deshalb wachsen die Ausdrucksmittel, die Sprache des Künstlers langsam. Nicht im einzelnes Werkstück, das wie gesagt das Heraus-sprudeln durchaus kennt, wohl aber in seiner Gesamtheit als Voka-bular, als psychisches Alphabet, so wie es hier in dieser Ausstellung vor uns ausgebreitet wird. Die auffälligsten Kunstgriffe der hier ausgestellten Arbeiten sind das Kaleidoskop der Farbe ist die Virtuosität des Zeichens. Nicht des Zeichnens, was eben das Gegenteil, ein genaues Wieder-geben bedeuteten würde, sondern die subjektive Umformung der äußeren Welt in einen Katalog abstrahierender, aber deutbarer Chiffren, sozusagen ein individueller Letternkasten. Wem es aber so um Lesbarkeit, um Botschaft getan ist, dem wird auch ein Ausflug in das Wort an sich eine Verlockung sein. Folgerichtig bricht sich der semantische und somit in Worte fassbare Teil in Paul Salvator Goldengrüns Erlebniswelt Bahn zur gesprochenen Poesie, sie lößt sich vom Visuell-en ab und erscheint allein als Wort: Wesen Hätt ich mich niemals ausgedrückt Gedanken keinem Papier geschenkt So wär aus mir nie ausgerückt Ein Wesen, das man oft selbst nicht bedenkt. heißt es in einem Gedicht. Paul Salvator Goldengrüns Dichtungen eine genauere Untersuchung zukommen zu lassen fehlt es mir an Zeit und Kompetenz, aber dass der Poet ist nicht hinwegzudiskutieren ist zeigt sich bereits an den Schöpfungen seiner Bildtitel wie „Gleichgewicht zwischen Unterdrückung, Demut und Wehrfähigkeit oder: die Fühler in die ungewisse Zukunft“ oder der „Durchbruch zu einer großen Persönlichkeit“ und andere. Aber gleich ob sie sich hier im Bildnerischen, dort im Sprachlichen niederschlägt, sie ist immer mehr ist als ihr Ausgangspunkt, auch mehr als die hinzuaddierte Subjektivität, mehr als die Summe all ihrer Bestandteile. Wir haben es also, um einen unschönen Begriff aus der Welt horizontalen Bemühens zu benutzen, mit einer Wertschöpfung zu tun. Kunst schafft Werte. Art brut oder Outsider Art, das wäre zwei Etiketten, mit denen man Stil und Arbeitsweise von Paul Salvator Goldengruen versehen könnte. Aber letzlich führt dies nicht viel weiter, als wenn ich jemanden als Sanguiniker oder Melancholiker bezeichnete und so will ich abschließend den verallgemeinernden Abstand einmal verringern und einige Arbeiten einer detailierteren Betrachtung unterziehen. Geht der horizontal ausge-richtete Mensch vor oder in die Natur, so rückt er ihr mit seinen Absichten und Instrumenten zu Leibe und wird zur sprichwörtlichen Axt im Walde. In seiner Harzreise skizziert Heinrich Heine diese Haltung und ihre Wirkungen wie folgt:“ Eben wie ein großer Dichter, weiß die Natur auch mit den wenigsten Mitteln die größten Effekte hervorzubringen. Da sind nur eine Sonne, Bäume , Blumen, Wasser und Liebe. Freilich fehlt letztere im Herzen des Beschauers, so mag das Ganze wohl einen schlechten Anblick gewähren, und die Sonne hat dann bloß soundso viel Meilen im Durchmesser, und die Bäume sind gut zum Einheizen, und die Blu-men werden nach Staubfäden klassifiziert und das Wasser ist naß. In der Vertikalität hingegen geschieht nichts mit der Welt, es ge-schieht etwas mit dem Menschen, er liebt. Er ergreift nicht die Natur, zu welchem Zwecke auch immer, die Natur ergreift ihn, Er wird ihr Instrument, sie spielt auf ihm und so werden bis dato nicht bekannte Teile seinen Mitmenschen aber zuerst und vor allem ihm selbst erfahrbar, Die Arbeiten „Epos an die Sonne“, „Bach an der Kostermauer“, oder „Putten in Hardehausen“, zeigen in ihren durchaus nachvollziehbaren Auseinandersetzungen mit Motiven aus Klosterbezirk von Harde-hausen schon ganz den Willen, über diese Motivehinaus gehen zu wollen, oder gar den Zwang, darüber hinausgehen zu müssen. Unschwer identifizieren wir im Zentrum der Kompositionen Putten, den Garten des Jugendbauern und seinen Geräteschuppen, das Fließen des Baches. Aber all diesen Arbeiten wohnt die Tendenz inne, sich zur Peripherie, zu den Rändern hin ins Abstrakte, ins Ornament zu ent-wickeln und so etwas vorweg zu nehmen, was sich bei den späteren Arbeiten zum durchgehenden Gestaltungsmerkmal ausprägen wird. In den neueren Arbeiten wie „Die stille Feier der Natur“ oder „ Der Jubel“ ist dieser Schritt vollzogen. Im ersten Bild keimt aus einer undefinierten, teppichartigen Ornamentik dunkel gerahmt wie die Triebkräfte der Erde das noch Ungestaltete. Doch bereits in der Bildmitte verfestigen sich die Formen zu einem pflanzlich anmuten-den Leben, das endlich im oberen Drittel auf einem vordem brachen Gelände zur Blüte gelangt und uns damit Vorstellung und Wirken der Schöpfung sichtbar macht. Im „Jubel“ gelingt Goldengruen eine maximale Durchdringung von Thema und Musikalität. Aus dem dunklen Wurzelschacht oder dem Stamm steigt ein Farb-und Formenspiel über Etagen oder Astwerk bis zur oberen Formatsgrenze empor. Die Form hat sowohl vegetatives, also die Deutung Astwerk/Stamm, als auch konstruktive Deutungs-möglichkeiten, eben Schacht und Etagen. Etwas kann an das Astwerk gehängt sein, ebenso könnten die Dinge wie Naturalien auf den Schalen einer Etagere positioniert sein, aber diese Dinge sind nur Stationen auf dem Wege zum Ziel: der schlüssigen Form, dem sich Öffnen der Blüte. So gestaltet das Bild die Einsicht, dass jedem Tun ein Streben und jedes Wachsen ein Weg gegeben ist und dass jede Blume einen Jubel an die Sonne oder das Göttliche darstellt und dieses Symbol oder Ideogramm erschließt sich unmittelbar. Hier wird die Gestaltung Zeichen, vermischt sich so untrennbar mit der Dichtung, dem Gesang, dass diese paralelle Bereiche im Gehirn gleichzeitig stimuliert werden und man nicht mehr weiß, ob der Genuß poetisch, malerisch oder musikalisch ist. Doch kommen wir zum Schluß. Nicht umsonst ergreift Eichendorffs Taugenicht beim Abschied von Mühle und Vater nicht nur Bündel und Wanderstock sondern auch die Violine.Das freie oder sich nach Freiheit sehnende Herz findet zwangsläufig zum Gesang. Also lassen sie uns zusammen ein Tänzchen Trans Zen Dance wagen. Aber seien Sie auf der Hut: es könnte schon sein, wenn unsere horizontalen Bastionen mürbe Punkte aufweisen und außerdem ein sich Freiheit wünschendes Herz in unserer Brust schlägt, dass der Eichendorffsche Narr sich einschleicht, dass er wie der „Adler der Erkenntnis“, auch dies ein Titel der hier ausgestellten Arbeiten, sich auf uns hinabstürzt und unsere Überzeugungsketten aufzuribbeln beginnt, denn das Geistige ist in hohem Maße virulent. Dass es sich hier schließlich um Malereien handelt, heißt ja nicht, dass diese nicht überspringen und uns wie Musik in die Beine fahren könnten, denn wir sind nie ganz horizontal oder vertikal und sind immer auf beiden Ebenen zugleich zugänglich. Also gebe ich hiermit, um beim Bilde zu bleiben die Tanzfläche frei, ich verneige mich angemessen vor Publikum und Künstler und beschließe meine Ausführungen mit einer Aufforderung zum TransZenDance mit einem: “ Darf ich bitten ?“ Dieter Laue Idee: Es würde mich sehr freuen, wenn mir jemand die Möglichkeit einräumen würde, so etwas zu bauen wie den Tarot-Garten von NIki St. Phalle. Ich stelle mir ein Gebilde vor, welches irgendwie zwischen Natur und Kultur liegt, zwischen Schloß/Burg mit Umfeld einerseits, wunderbarer Natur-und Kulturlandschaft andererseits. Gerade die Architektur sollte so konzipiert sein, daß nach und nach eine direkte Verbindung und Verwachsung mit der Natur, mit Bäumen, Sträuchern, Pflanzenstauden und Blumen erfolgen kann. Der Bereich der Natur-und Kulturlandschaft sollte mit Kunstwerken, Skulpturen und kleinen Häuschen (nach Art von Heiligenhäuschen) samt Kunstwerken, z.B. Bildern, ausgestattet sein. |